
Es war ein toller Segelabend und wir sind stark gesegelt. Aber was da in 1:30 Stunden alles passieren kann ist schon bemerkenswert. Es war eben Freitag der 13. und die Wettfahrtleitung wird vermutlich diesen Tag so schnell nicht wieder vergessen.
Der Reihe nach. Eine einzige Wetterseite hatte Ostwind vorausgesagt, aber jene Meterologen standen mit dieser Ansage allein auf weiter Flur. Aber er kam und wie er kam. Bilderbuchbedingungen für alle Segler – vom Start bis ins Ziel, für alle. Was kann da noch passieren, könnte man sich noch fragen.
Zuerst eine viel zu kurze Startlinie für diese wilden „Rennziegen“ (übrigens ein tolles Feld). Die Wettfahrtleitung hat wohl dieser neue, gigantische Landungssteg für die Kursschiffe (sieht man ansonsten nur an der Ost- und Nordsee) ein wenig aus dem Konzept gebracht. Da waren dann auch einige Schiffe etwas zu früh dran (es gilt die Unschuldsvermutung). Wir kamen so ziemlich gut aus dem Startfeld heraus, waren bald frei und fuhren mit gutem Speed zur ersten Tonne, da kam auch schon ein Motorboot mit einer gelben Flagge und fuhr mit gehörigem Speed und Kurvenlage vor dem Feld durch. Ein übermotivierter Funktionär, bewaffnet mit Megafon, schrie „Massenfrühstart“ in die Runde. Keiner reagierte, wie so auch, vom Startschiff kam kein Signal, weder akustisch noch optisch für den angeblichen Massenfrühstart. Als dann das Motorboot mit dem immer hektischer agierenden Funktionär zum dritten Mal vor unserem Bug auftauchte und einige Boote auch wirklich eingeschüchtert umkehrten (ungefähr die Hälfte), machten wir dies dann halt widerwillig auch.
Wieder beim Startschiff angekommen, übrigens die zweite Startguppe war gerade regulär gestartet, erkundigten wir und nach dem angeblichen Massenfrühstart. Antwort: „Wer sagt hier Massenfrühstart, es gibt keinen“? Nur Einzelrückruf!
Mit einem dicken Hals und ungläubigem Kopfschütteln machten wir uns wieder auf den Weg, den Kurs abzusegeln. Einer unserer direkten Gegner (Katamaran Ventilo M2, RS SOLAR) war nicht umgekehrt und hatte bereits schone einige Kilometer Vorsprung. Klar, das Rennen war für uns gelaufen, konzentrieren wir uns also auf optimalen Speed und nehmen die Runde als gutes Training mit, so unsere Motivation. Aber es kommt noch dicker: Einige der umgekehrten Teilnehmer der Startgruppe 1 blieben beim Start stehen und erzwangen offensichtlich einen zweiten Start nach der dritten Gruppe. Ein Teil war also bereits in Hagnau in deutschen Gewässern, ein Teil noch von Altnau in Schweizer Obhut und wir dazwischen drin. Freitag der 13.
Jetzt wieder zum Segel.
Mit sehr guten Speed (14 – 18 Knoten) waren wir schnell an den Einrümpfern vorbei und machten jetzt „Jagd“ auf die beiden führenden Katamarane. Auf der deutschen Seite, bei der Tonne Hagnau, war deutlich weniger Wind, dies konnten wir sehen und daher beschlossen wir, dass wir nach dem runden der Kontrollmarke sofort auf die linke Seite der Bahn segel werden.
Es folgte ein "Geschenk" vom führenden Katamaran.
RS SOLAR war offensichtlich anderer Meinung und halste ans deutsche Ufer zurück. Er war sich offensichtlich der Sache so sicher, dass er die Ferndeckung seiner Verfolger aufgab und uns die bevorzugte Seite kampflos übergab. Bei so klaren Verhältnissen müsste er zwischen nächster Marke und direkter Verfolger bleiben, dann konnte eigentlich nur noch ein Materialbruch den Sieg verhindern. Unglaublich aber wahr, wir übernahmen auf dem Weg zur nächsten Kontrollmarke in Konstanz die Führung und bauten diese bis ins Ziel kontinuierlich aus.
Und was war mit der zweiten, später gestarteten Gruppe. Diese wurden mit der gesegelten Zeit mit unserer Gruppe gewertet – beinahe Einzelzeitfahren wie beim Rennradfahren. In dieser Gruppe waren die beiden anderen schnellen Katamarane (Sonnenkönig und Holy Smoke), diese kamen an unsere gesegelte Zeit nicht mehr heran, aber sportlich kann man dies beim Segeln natürlich nicht aussagekräftig werten.
Ich möchte noch eine Lanze für die Wettfahrtleitung brechen.
In Altnau bin ich immer gerne gesegelt und Fehler habe ich bis jetzt keine wahrgenommen. In Altnau fühlt man sich immer als Gast und die Wettfahrtleitung agiert ansonsten immer professionell. Die Entschuldigung der Wettfahrtleitung nehmen wir natürlich gerne an. Es war einfach Freitag der 13. Aber eine Story war es wert.
Robert Hämmerle