
Der riesige Vorsprung war auch für uns überraschend. Nüchtern betrachtet war es der richtige Riecher für den schwachen Wind kurz nach dem Start.
Für uns war es ein erstes und wichtiges Kräftemessen mit den schnellsten Einrumpfbooten (Wilke 49, Psaros 40, YSA, ...) aber auch mit einem weiteren Schweizer Katamaran (Sonnenkönig) derselben Klasse. Es war also spannend.
Als wir am frühen Morgen von Julius (vielen Dank an dieser Stelle) mit dem Schlauchboot nach Langenargen geschleppt wurden, war nicht einmal der sonst verlässliche Südwind vorhanden. Zum Start um 8 Uhr dann ein winziger Hauch von Wind. Wir konnten uns leicht absetzen und unser Skipper hatte den richtigen Riecher und wir erwischten als erste den neuen, aber immer noch sehr schwachen Wind aus SW. Mit sehr gutem Trimm und leicht rechtsdrehendem Wind schafften wir es, fast den gesamten Kurs auf einem Rumpf abzusegeln.
In Romanshorn wurde zu unserer Überraschung Bahnabkürzung signalisiert. Also zurück nach Langenargen, den Verfolgern entgegen. Erst da realisierten wir so richtig unseren großen Vorsprung. Das Feld hatte noch nicht einmal ein Drittel der ersten Strecke nach Romanshorn bewältigt, da waren wir schon wieder mit 13 Knoten Richtung Ziel unterwegs. Jetzt war uns auch klar, warum die Wettfahrtleitung Bahnabkürzung signalisiert hatte. Sehr beeindruckend – auch immer noch für uns.
Und schon wieder – die Wettfahrtleitung kommt noch nicht mit den schnellen Katamaranen klar: Im Zielgebiet angekommen, war keine Zielboje vorhanden, die Wettfahrtleitung hatte schlicht und ergreifend noch nicht mit uns gerechnet. Wir halsten und fuhren wieder zurück, Richtung Startboje. Dann bemerkten wir ein schnell fahrendes Motorboot, welches im Schlepp unsere Zielboje nachzog. Also halsten wir zurück Richtung Land. Aber wieder zu schnell. Wir setzten zur Backbordrundung an und wurden prompt in der Hektik von der Crew des Bojenlegerbootes angewiesen, an Steuerbord zu passieren. „Sind wir durch?“ „Ja!“ Zufrieden rollten wir das Segel ein und klatschten ab. Dann auf einmal die Frage: „Hat jemand von euch den Schuss gehört?“ “Schei.. nein, doch an Backbord runden.“ Wir setzten wieder hastig die Segel und kreuzten zurück, dann der erlösende Schuss. Die Entschuldigung nahmen wir natürlich an, hatten wir die Bojenlegercrew doch arg in Bedrängnis gebracht.
Das Rennen um die schnellste gesegelte Zeit war dann dennoch eine klare Sache für uns. Mit einem Vorsprung von mehr als 2 Kilometer beendeten wir die Wettfahrt vor unserem schärfsten Kontrahenten. Für die Strecke Langenargen – Romanshorn – Langenargen wurde der Skinfit-Katamaran mit 2 Stunden und 2 Minuten gezeitet und dies bei sehr flauem Wind. Der dabei gemessene Topspeed von 13 Knoten unterstreicht das Potenzial von Schiff und Crew.
Wir sind glücklich, aber nicht übermütig. Die von uns geschätzte Konkurrenz wird uns beim nächsten Mal die Sache sicher nicht so leicht machen.
Robert Hämmerle