Rundum 2011 – nur einmal nass, dafür 7,5 Stunden lang!
18.06.2011

„Holy Smoke“ würdiger Sieger!

 

Wir gratulieren der Holy-Smoke-Crew zum Blauen Band 2011. Sie sind eine tolle Regatta gesegelt und haben den Sieg absolut verdient – chapeau.

Auch wir sind eine sehr gute Rundum gefahren – wir hadern nicht mit dem zweiten Platz. Der Sieg bleibt dennoch unser Ziel.

 

Und warum haben wir nicht gewonnen?

Die „Skinfit“ (Ventilo 28 M2) ist ein toller Katamaran , sie hat aber – wie fast jedes andere Schiff auch – eine Achillessehne: Kreuzkurse am Wind und vor dem Wind. Und genau aus diesen Kursen bestand die diesjährige Rundum. Wenn man die Tracklinien verfolgt, dann ist dies auch klar zu sehen. Also nicht die optimalen Bedingungen für unsere „Skinfit“. Aber man muss immer das Beste daraus machen und dies haben wir getan, es war nicht mehr möglich.

 

Die Rundum aus unserer Sicht.

Der Start war perfekt, schon in der Vorstartphase konnten wir dem neuen Cat (SL 33) die beste Startposition abringen und übernahmen sofort nach dem Start die Führung. Ein Helikopter mit Filmteam hat uns dann eine kurze Zeit mit seinen Abwinden sehr gestört (Fritz ist mit seiner Libera aus so einem Grund schon fast mal gekentert). Schon bald war klar, dass wir die Höhe am Wind von der „Holy Smoke“ nicht halten konnten und dass sie beim ersten Kreuzen der Kurse die Führung übernehmen würde. Auch war das gewählte „Strickmuster“ für den Kreuzkurs nach Romanshorn im Nachhinein betrachtet nicht die beste Wahl.

 

Der neue Car SL 33 muss aufgeben.

Bei auffrischendem Südwestwind konnten wir dann den Rückstand etwas verkürzen. In dieser Phase war der neue Cat (SL 33) sichtlich überpowert und musste in Folge mit erheblichen Materialproblemen aufgeben . Der Vorsprung von „Holy Smoke“ war bei Romanshorn groß genug, dass sie ab hier in ein anderes Windsystem eingetaucht sind und damit ca. 1 Stunde gewinnen konnten (beim Passieren im Überlingersee gestoppt). Auch in Überlingen hatte wir praktisch keinen Wind mehr uns so wurde das runden der Boje selbst für dieses Boot zu einer Geduldsprobe. Aber wir segelten weiterhin sehr konzentriert und arbeiteten weiterhin hart um uns zurück ins Rennen zu bringen.

 

Wir setzten auf den angesagten Westwind (20 Knoten).

Wir wussten von der anziehenden Front mit Westwind und setzten auf das Schweizer Ufer, da hier der Westwind als erstes einsetzen würde. So war es dann auch. Wir fuhren mit Gennaker und vollem Groß bis zu 20 Knoten Richtung Romanshorn. Die Hoffnung lebte noch, denn diesen Wind konnte die vorausliegende „Holy Smoke“ noch nicht haben.

 

Eine Wand von Segelschiffen.

Gerade in der schnellsten Phase der Regatta kam eine Wand von Segelschiffen von Romanshorn auf uns zu gesegelt – besser gesagt, wir auf sie. Mit einem Ausguck im Lee kurvten wir durch das nicht enden wollende Feld. Einige Schiffe waren sogar OHNE vorgeschriebene Vorsegelbeleuchtung unterwegs. Auch unser Begleitboot hatte dies festgestellt, natürlich auch mit 20 Knoten unterwegs. An dieser Stelle ganz herzlichen Danke an Wolfgang Bösch, der die nicht leichte Aufgabe des vorgeschriebenen Sicherungsbootes perfekt erfüllt hat.

 

Wo sind unsere Grenzen?

Wir wissen es ehrlich gesagtt noch nicht, daher haben wir in einer harten Böe den Gennaker eingerollt, leider gelang uns dies nicht vollständig, da wir wegen den entgegenkommenden Schiffen nicht genug abfallen konnten. Um eine Kenterung zu vermeiden, mussten wir den oben halb offenen Gennaker sofort bergen. Dieser schoss bei geöffnetem Fall dann nach vorne und geriet unter die Rümpfe. Die „Skinfit“ wurde jäh gestoppt und es bestand Kentergefahr. Der Skipper und die Crew machte alles richtig und konnte die „Skinfit“ stabilisieren. Damit der Gennaker geborgen weden konnte (wir wollten ihn nicht abschneiden) haben wir das Großsegel geborgen und den Gennaker mühselig aber heil wieder auf das Schiff gezogen. Mit gerefften Groß und Fock setzten wir die flotte Fahrt fort. Bei Böenpausen (die immer länger und schwächer wurden) entwirrten wir den Gennaker und setzten ihn in der Folge. Übrigens: „Holy Smoke“ brachte den Vorsprung souverän ins Ziel. Der Rest ist Geschichte.

 

Fazit:

Die „Skinfit“ war in der Phase mit dem stärkeren Wind beherrschbar geblieben und die Crew machte einen tollen Job. An die brutale Beschleunigung in den Böen muss man sich aber noch gewöhnen – vor allem bei stockfinsterer Nacht. Auch konnten wir diese Bedingungen noch nicht trainieren. Die Erfahrung der vergangenen Nacht tut uns aber gut. Darauf können wir wieder aufbauen. Es war eine tolle aber unglaublich nasse Rundum 2011 (eben nur einmal nass, dies dafür 7,5 Stunden lang) .

 

Robert Hämmele

 

Ein paar Daten:

 

Ergebnis 2. Schiff im Ziel (großes Blaues Band)
Gesegelte Zeit 7 h 35 m
Gesegelte Strecke 68,1 NM über Grund (126 km)
Kürzester Weg 53,12 NM über Grund (98,37 km)
Durchschnittsgeschwindigkeit 9 Knoten (16,7 km/h)
Maximaler Speed 22 Koten (40,7 km/h)

 

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