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Zunächst gratulieren wir herzlich der Sonnenkönig-Crew (Ventilo M2) um Skipper Stefan Stäheli zum Sieg bei der diesjährigen „Rund Um“. Es freut uns auch sehr, dass eine weitere Vetilo M2 (RS SOLAR, Ralph Schatz) den zweiten Platz belegen konnte.
Erlebnisbericht zur „Rund Um“
Der Start war nicht aggressiv, aber wie geplant abgelaufen. Wir waren sofort frei vom Getümmel und konnten unseren gewünschten Kurs steuern. Wie erwartet waren die Katamarane vorne und wir in Richtung Meersburg ständig unter den ersten 3 Booten platziert. Alles im grünen Bereich, könnte man meinen. Leider nein – Action war angesagt.
Kollision mit einem Baumstamm
Natürlich waren wir gewarnt, aber ein großer Baumstamm, er schwebte schon unter der Wasseroberfläche und gegen die Sonne absolut nicht zu sehen, bescherte uns eine gewaltige Kollision. Die Skinfit wurde von 14 Knoten mit einer großen Wucht gestoppt. Dabei hatte sich Max beim einem Sturz leicht an der Hand verletzt und das Steuerbordschwert sowie das Backbordruder wurden beschädigt (hatte aber vermutlich keine Auswirkung auf das Ergebnis). Geschockt segelten wir wieder mit 14 Knoten auf den nächsten Treibholzteppich zu, extrem groß, ausweichen unmöglich, kurvten wir durch das „Mienenfeld“. Am Ende mussten wir dann beide Schwerter und Ruder kurzzeitig ziehen und von Ästen befreien.
Auch das noch: Schotmantelbruch
In der Zwischenzeit fuhren wir mit Gennaker. Durch das ständige trimmen der Schot, riss der Mantel der fast neuen und sündteuren Gennakerschot und blockierte in der Folge den Umlenkblock. Das Ergebnis: Fock setzen, Schot abschneiden, Gennaker einrollen und die viel zu kurze Reffleine vom Großsegel als neue Schot einfädeln, Gennaker wieder ausrollen und Fock neuerlich bergen. Durch die viel zu kurze Schot liefen die vielen Wende- und Halsemanöver nicht wie gewohnt sehr rund ab, aber die Mannschaft hatte sich mit dem Umstand seht gut arrangiert und dies hatte ebenfalls keine Auswirkung auf das Ergebnis.
Nach nur zwei Stunden rundeten wir Meersburg
Bord an Bord mit den Doppelolympiasiegern Roman Hagara und Hans Peter Steinacher (Red Bull, Xtreme 40) und unter hohem Speed rundeten wir als Führungsduo, unter großem Jubel vom Land, die Tonne in Meersburg, dicht gefolgt von weiteren Mehrrumpfbooten. Wir konnten die Böen perfekt aussteuern sowie austrimmen und segelten als führendes Boot mit bis zu 16 Knoten Speed in den Überlingersee. Das Spitzenfeld der Katamarane lag unglaublich dicht zusammen, sehr spannend und für mich ein einzigartiges Erlebnis.
Überlingersee lässt grüßen
Die Freude war nur von kurzer Dauer. Kaum waren wir richtig in den Überlingersee eingetaucht, schon standen wir mit Null Bootsspeed am großen „Parkplatz Überlingersee“ unfreiwillig still. Als erstes fuhr der große Red-Bull-Katamaran mit ca. 200 m Querabstand nördlich und dann die RS SOLAR (Ventilo M2) von Ralph Schatz südlich an uns vorbei. Weitere 4 Boote überholten uns noch, bis wir endlich wieder Fahrt aufnehmen konnten.
Alles ist noch möglich
Wir kämpften uns wieder an die Spitze heran und rundeten kurz nach 22 Uhr die Marke in Überlingen, praktisch zeitgleich mit HOLY SMOKE und SONNENKÖNIG als drittes Boot. Auf dem leichten Vorwindkurs (viele Halsen) übernahmen wir sofort die Führung und konnten in der Folge einen kleinen Vorsprung heraussegeln. Die Führung hielt bis nach Meersburg, ab da wurde es Richtung Romanshorn zu einem Halseduell mit dem Großmeister Roman Hagara und seiner Proficrew. Zu den restlichen Verfolgern hatte sich zwischenzeitlich eine kleine Lücke aufgetan. Immer wieder zwang uns Hagara auf die schlechte Seite und konnten bis Romanshorn einige Minuten Vorsprung heraussegeln. Wir alle staunten nicht schlecht, wie es Hagara und seine Crew immer wieder schaffte, seinen schwereren Katamaran bei diesen leichten Winden so tief zu steuern. Wahrlich ein Großmeister im Katamaransegeln.
Ein kurzer Schwenk zum Begleitboot
Unsere Begleitcrew (Christl und Gabi) auf dem Schlauboot flirtete zwischenzeitlich mit der Begleitcrew der RED BULL. Sie schwämten zwar nur vom großen Schlauboot und von den angebotenen Getränken, die Jungs sollen aber ziemlich smart gewesen sein.
Die volle Härte
Romanshorn rundeten wir um ca. 1: 25 Uhr. Hagara steuerte seine RED BULL nun Richtung Norden, wir hätten an seiner Stelle das Gleiche getan, er stand aber bald nach der Boje still. Bei uns hatte sich ein neuer, leichter Wind gebildet. Daher gab es noch eine zweite Option: Wir entschlossen uns nach kurzer Absprache, den Kurs zuerst Ostsüdost zu wählen und halsten mehrfach in der Seemitte mit Generalkurs Ost.
Wir wollten Hagara nicht im Kielwasser folgen, sondern ihn angreifen. Wir erwarteten in der Seemitte (Wetterbericht und unserer Erfahrung), einen leichten Nordost- bis Südostwind. Daher wollten wir der erwarteten Windkannte entgegen segeln. Genau dort hatten wir vor 10 Tagen (Test-Rund-Um) bei sehr ähnlichen Bedingungen den Wind abgeholt. Und schließlich wollten wir nicht den zweiten Platz verteidigen, sondern auf Sieg segeln und daher dieses Risiko eingehen.
Ziemlich lange ging dies gut – bis 5 Seemeilen vor dem Ziel, wir hatten wieder einen Vorsprung herausgesegelt, wohl war uns dabei aber nie ganz, wir blickten immer wieder gespannt Richtung deutsches Ufer, da tat sich aber nichts. Dann aber unser totaler Stillstand, wir sahen unsere erhoffte Windkannte nur mit dem Fernglas im Mondscheinschimmer vor dem Rheindamm liegen, für uns zu weit entfernt. Dann die Ernüchterung: Die Verfolger hatten sich nach Langenargen ans Ufer gekämpft und fingen an zu laufen. Klassisch könnte man meinen. Wir standen eine unglaublich lange und harte halbe Stunde still und konnten dabei nur noch die „Parade der Verfolger abnehmen“. Es folgte ein mühseliges aufkreuzen ins Ziel.
Unser Ziel war höher gesteckt
Der 9. Rang nach gesegelter Zeit war natürlich nicht unser Ziel, aber schließlich ist das Segeln kein Wunschkonzert. Für mich ist diese „Rund Um“ keine Niederlage sonder eine Bereicherung in meinem schon langen Segelerleben. Wir werden natürlich weiter hart an uns arbeiten und freuen uns auf die nächsten Regatten und Trainings mit der SKINFIT. Und nach der „Rund Um“ ist vor der Rund Um“. Das „Blaue Band“ bleibt unser Ziel.
Robert Hämmerle