
Wir haben es zwar schon länger geahnt, aber in dieser Deutlichkeit erst jetzt erfahren müssen. Die Ventilo 28 – unsere SKINFIT – hat eine gehörige Schwachstelle: bei ganz wenig Wind und Kreuzkurs gegen den Wind glänzt sie und die Crew nicht mit Performance. Aber der Reihe nach.
Vorarlberger Clubmeisterschaft
Am 26. Juni nahmen wir mit der SKINFIT an der Vorarlberger Clubmeisterschaft teil, ohne Aussichten in die Wertung zu kommen, denn es werden je Club und Yardstickgruppe nur jeweils die zwei Besten je Club nach berechneter Zeit (berechnet nach Yardstick, dazu später) gewertet. Hier mussten andere Schiffe aus unserem Club für uns in die Presche springen. Und wie sie dies taten: unser Club wurde überlegener Vorarlberger Clubmeister 2010.
Ohne Aussichten, dennoch war das Antreten für uns eine Selbstverständlichkeit. Mit einem solchen Projekt haben wir natürlich nicht nur Kürprogramm, sonder auch Pflichtprogramm zu absolvieren, das freilich auch Freude machen kann/soll.
Es herrscht am Start ein leichter thermischer Schönwetterwind aus West. Erfreulicherweise waren viele Schiffe da, auch die superschnelle Psaros 40 (eines der schnellsten und modernsten Einrumpfboote am Bodensee) von Werner Deuring aus unserem Club. Genau mit diesem Schiff wollten wir uns messen, denn die läuft bei diesen Verhältnissen eine grandiose Höhe und Speed am Wind.
Vielleicht weil es für uns um nichts ging und die Regattaspannung fehlte, verhauten wir zunächst den Start böse, allerdings die Psaros auch – natürlich ein schwacher Trost. Als wir endlich einen Platz zum Losfahren gefunden hatten, dauerte es eine Ewigkeit bis wir die SKINFIT in Fahrt hatten. Abwinde der besser gestarteten Boote und dies waren viele, drückten uns nach Lee. Als wir endlich frei waren, fuhren wir den Speed der Psaros aber konnten die Höhe am Wind deutlich nicht mitgehen. Kaum zu glauben, aber es fehlten uns bei diesen Bedingungen und Kurs immer noch an aussagekräftigen Vergleichen.
Es wurde dann noch schlimmer, als der Wind auf dem kurzen Kurs ganz schwach wurde, übeholte uns die Psaros und konnte bis zur Luvtonne einen Vorsprung heraussegeln. Auf dem anschließenden Vorwindkurs waren wir dann wie gewohnt schnell und auch in Folge das erstes Schiff im Ziel. Zieht man alle unsere gemachten Eigenfehler ab (machten wir genug), blieb netto unter dem Strich ein „Speedschock“ übrig. So krass hatten wir uns dies nicht vorgestellt.
Eine Woche später der zweite Hammer
Klar, bei der Clubregatta waren wir auch dabei, wie auch die Psaros 40 von Werner Deuring. Noch weniger Wind, wegen der Fussballweltmeisterschaft wurde der Start vorgezogen, die gute Thermik kommt aber erst später, die nimmt auf die WM natürlich keine Rücksicht (sind wir eigentlich ein Segel- oder ein Fußballclub? Augenzwinker). Wir wurden mit dem Einwassern nicht rechtzeitig fertig und erreichten den Start erst Minuten später. Wir eilten dem Feld hinterher, obwohl eilten ist stark übertrieben. Wir wollten alles besser machen, aber es wurde noch schlimmer. Kein Speed, keine Höhe – Werner Deuring war weit vor uns im Ziel. Was ist da los.
Ein zweiter Lauf wurde gestartet. Inzwischen endlich etwas mehr Wind. Neue Motivation. So wollten wir nicht in die kurze Sommerpause gehen. Ein Hauch von Regattaspannung kam auf. Toller Start, toller Speed, keine Fehler. Großer Vorsprung.
Es bleibt die eklatante „Haucherl-Schwäche“ (Wind will ich zu diesen Bedingungen nicht sagen). Aber es ist alles für etwas gut. Wir kennen jetzt unsere nächsten Aufgaben.
Ergänzung Yardstick
Unsere Yardstickzahl für die Wertung nach berechneter Zeit ist derart falsch, dass wir unter normalen Umständen absolut null Chance haben, berechnet unter das erste Drittel zu kommen. Dies ist auch weiters nicht tragisch, denn diese Katamarane sind auch für die Yardstick-Kommision am Bodeensee noch Neuland und diese ging verständlicherweise mit unserer Yardstickzahl erst einmal auf Nummer sicher. Kein Vorwurf, Änderungen sind nach den gemachten Erfahrungen (nicht nur mit uns) angekündigt. Natürlich kann es nie eine faire Ausgleichsformel über alle Schiffstypen geben, wir konzentrieren uns auch in Zukunft auf die schnellste gesegelter Zeit ohne Vergütung.
Robert Hämmerle